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1. Lieber Herr Derpmann, lieber Herr Pieper, in Ihrem Vortrag sprechen Sie darüber, wie sich Unternehmen durch Kreativität differenzieren können. Wodurch zeichnet sich denn kreatives Personalmarketing überhaupt aus?
Kreative Kommunikation bewegt die Menschen und regt sie an, sich mit dem Unternehmen näher zu beschäftigen. Sie macht mir deutlich, was ich nicht wusste aber immer schon gesucht habe. Kreativ sind Unternehmen also immer dann, wenn es ihnen gelingt, die Stärken Ihrer Arbeitgebermarke auf ungewöhnliche und erstaunliche Art und Weise zu erzählen.
Anders ausgedrückt kann es nur darum gehen, den Menschen etwas Neues über sich selbst zu erzählen. Denn: wenn alle das Gleiche sagen, differenziert man sich nur über das Gehalt. Also gilt für die Arbeitgeberkommunikation das Gleiche wie für jede andere Kommunikation auch: Was nicht auffällt, geht unter. Auch hier gilt die „Ökonomie der Aufmerksamkeit“.
Kreative Kommunikation ist allerdings nicht gleichzusetzen mit lustiger, bunter oder fröhlicher Kommunikation. Kreative Kommunikation darf - und muss manchmal sogar - auch ernsthaft sein. Es macht einen Unterschied, ob ich für eine Bank werbe, die gerade von der Krise gebeutelt wurde oder aber für einen grellbunten Elektronikhändler. Das Produkt und auch die Branche entscheidet also mit über die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Geschichte erzählen.
2. Außergewöhnliche kreative Leistungen stehen in dem Ruf sehr teuer zu sein. Ist Kreativität für mittelständische Unternehmen bezahlbar?
Diese Frage wird einem immer wieder gestellt. Und sie verwundert. Es würde doch niemand fragen, ob sich ein Mittelständler ordentliches Werkzeug leisten kann. Entscheidend ist, dass man die Dinge ernsthaft betreibt – und das gilt auch für Kommunikation. Eine gute Idee kann zwar jeder unter der Dusche haben - dass man eine plötzliche Eingebung hat, ist aber eher selten. Kreative Kommunikation ist handwerkliche Arbeit und natürlich hat ein Mittelständler einen Aufwand, wenn er sich um die Qualität seiner Kommunikation kümmert.
Hier braucht es einen Perspektivwechsel: weg von den Kosten hin zur Investition. Kommunikation kann nicht als reiner Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Investition in die Zukunft eines Unternehmens. Um trotzdem wirtschaftlich zu sein, müssen sich Unternehmen auf diejenigen Inhalte konzentrieren, die wichtig sind und dürfen sich nicht verzetteln. Hier braucht es Mut zur Komplexitätsreduktion und zu klaren Botschaften
Spannend wird Unternehmenskommunikation in Zeiten von Social Media. Zunächst denkt man, dass man Kommunikation zum Spottpreis haben kann, denn eins ist klar: die Medienkosten sinken. Da aber für alle Teilnehmer geringe Markteintrittsbarrieren gelten, wird das Umfeld kompetetiver, was wiederum eine dauerhafte und außergewöhnliche Kommunikation erfordert. Denn hier gilt: Wer A sagt, muss auch B sagen, muss auch C sagen....
Umsonst ist also Kommunikation nicht. Wir müssen weg kommen von der Frage, ob sich Kommunikation überhaupt lohnt. Kommunikation ist kein Selbstzweck sondern muss immer einen Return-On-Invest haben.
3. Scholz & Friends hat im vergangenen Jahr eine Veranstaltung mit dem Titel "die Rendite des guten Rufs" durchgeführt. Gibt es für die Arbeitgeber-Kommunikation einen messbaren „Return-On-Invest"?
Wenn man davon ausgeht, dass gute Führungsarbeit die Arbeitgebermarke und damit den Ruf eines Unternehmens positiv beeinflusst, kann die Ende Februar 2011 von Kienbaum und Scholz & Friends veröffentlichte Studie hinzugezogen werden.
Ziel der Studie war es, zu überprüfen, ob eine hohe Ausrichtung der Führungsarbeit an Themen und deren Kommunikation unternehmerische Effekte hat.
Wertet man die Meinung der 155 Befragten Personaler und Führungskräfte statistisch aus, stellt man – für uns überraschend – fest, wie stark die Korrelationen zwischen themenzentrierter Führung und Unternehmensrendite sowie Umsatzwachstum sind. Die Zusammenhänge werden konsistent über alle Kriterien hinweg belegt. In Unternehmen, in denen stark über Themen und Ideen geführt wird, schätzen mehr Befragte das Umsatzwachstum und die Rendite als überdurchschnittlich ein. Wird weniger über Themen und Ideen geführt, gehen die Befragten in der Mehrheit von deutlich geringerem Umsatzwachstum und geringerer Rendite aus.
Unsere Schlüsse aus dieser Studie sind klar: Gute Kommunikation und Unternehmenserfolg gehen Hand in Hand.
Lieber Herr Pieper, lieber Herr Derpmann, ich danke Ihnen für dieses Interview und freue mich schon sehr auf Ihre kreativen Anregungen für erfolgreiches Personalmarketing und Employer Branding beim Personalmarketingkongress am 17. März.
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